Fondation Hodiamont

2016_gastkuenstlerausstellung-01-12016_gastkuenstlerausstellung-01-2

Cynthia Evers

Die Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sie macht sichtbar.

Paul KLEE, Theorie der modernen Kunst.

Die Wirklichkeit wiedergeben ist nur sinnvoll, wenn es von Nutzen ist. Kunst ist nicht nützlich, sondern unabdingbar; daraus folgt, dass man vom Künstler erwartet, in uns eine Emotion hervorzurufen, dass er uns anrührt, betört oder unseren Blick fasziniert, dass er unsere Gewohnheiten in Frage stellt. Wenn das Kunstwerk, egal ob gemalt, geschnitzt oder auf eine Leinwand projiziert uns nicht berührt, dann ist es verloren oder zumindest vergeblich, überflüssig oder nur vorläufig. Wenn es sich nicht in unser Herz einprägt, wenn es nicht eine langanhaltende Wirkung erzielt, dann erreicht es nicht sein Ziel, nämlich den Menschen mit seiner Umwelt zu versöhnen, ihn auf die Magie der ihn umgebenden Wirklichkeit hinzuweisen und ihn auf den Reichtum seiner in ihm verborgenen Fantasie aufmerksam zu machen. Das Foto eines banalen Küchentischs, in dem Bemühen gemacht, das Interesse des Betrachters zu wecken, ihn anzusprechen, da es etwas Intimes, Unerwartetes und Lebendiges darstellt, ist ebenfalls schon ein Kunstwerk; denn aus dem Blickwinkel des Fotografen heraus, den dieser gewählt hat, gibt er einen Kommentar zu dem Bild ab. Dasselbe gilt erst recht für ein Gemälde oder eine Zeichnung mit einem ebenso alltäglichen Thema. Es erfordert eine lange Geduld und die Fähigkeit, aus einer Distanz heraus das Objekt oder die Szene zu betrachten, nicht aus reiner Provokation, sondern um einen anderen Effekt zu erzielen oder um andere, neue, wesentliche Gesichtspunkte hervorzuheben. Dieser Tisch, diese Gläser, diese Flaschen, diese Hände, diese Füße, diese gewöhnlichen Fenster haben nur dann eine Anziehungskraft, wenn ich sie außerhalb ihrer üblichen Nützlichkeit sehe; eine Landschaft erhält nur Tiefe, wenn ich sie betrachte, bevor ich sie durchschreite. Dies umso mehr, wenn das Objekt mit Hilfe eines Bleistifts oder eines Pinsels nach einer längeren Betrachtung, einer Verinnerlichung, einer Übertragung wiedergegeben wird. Nur so können wir anfangen, die Dinge des Lebens und das Universum zu lieben. Das echte Leben, sagte Proust, ist die Literatur. Und auch die Kunst, die uns lehrt, mit dem Blick und der Hand zu denken.Was durch Worte oder durch Farben verwandelt wurde, wird nicht mehr nur rein auf seinen Nutzen reduziert werden können, sondern eine Bedeutung erhalten und uns Schönes, Geheimnisvolles und vielleicht Fülle vermitteln können.

Mit dieser Sichtweise geht Cynthia Evers bei ihren Arbeiten vor: anhand eines Fotos, einer Situation, wie sie alltäglicher nicht sein kann, überschreitet sie Schritt für Schritt die Grenze des Sichtbaren, um uns in eine Welt des Geheimnisvollen, des Faszinierenden oder sogar des Verblüffenden zu tauchen. Dass die Gläser so echt sind, obwohl sie nie gebraucht wurden, dass die Hände und Füße so sinnlich und menschlich sind, obwohl sie bisher nur das Papier betreten haben, und dass das Paar, das sich bisher nicht kannte und nur hier auf der Leinwand zueinander gefunden hat, sich so innig umarmt – das grenzt ans Wunderbare. Hier ist nicht die Rede von Leistung, hier gibt es lediglich anhaltende Aufmerksamkeit, extremes Engagement, um nur nicht die Seele des Modells oder eines Stilllebens zu verraten, die stumme andere Seite der Wesen und der Dinge, die Daseinsberechtigung einer Gegenwart, einer Begegnung, eines Augenblicks im wahrsten Sinn des Wortes: existieren, herauskommen aus etwas, sich außerhalb befinden, lebendig sein…

Dass ihr dies meist mit einem einfachen schwarzen Bleistift gelungen ist, das ist wirklich eine außergewöhnliche Leistung, eine Leistung voller Bescheidenheit, die zunächst nur von unserem betörten Auge wahrgenommen wird, bevor dieses es an unsere gesamten anderen Sinne weitergibt: das Glück, das Alltägliche veredelt zu sehen, die verlorene Zeit wiederzufinden, das so wundervoll befreite Leben.

Michel Ducobu

Übersetzung Joseph Gerkens, Eupen; bearbeitet von Sylvie Schenk, Stolberg

Cynthia Evers stellt im Malmundarium aus

14. April 2015, 8:45 · Stephan Pesch

Kunst mit Hand und Fuß: Im Malmundarium in Malmedy stellt die Malerin Cynthia Evers ihre Schwarz-Weiß-Bilder aus. Die Werke der Künstlerin sind noch bis zum 19. April zu sehen.

Hände, die ein Glas Wasser halten. Füße übereinander geschlagen oder Liebespaare, die eng umschlungen sind. Die Malerin Cynthia Evers zeigt ihre figurativen Schwarz-Weiß-Bilder noch bis kommenden Sonntag, dem 19. April, im Malmundarium.

BRF1 sprach mit Cynthia Evers über ihre Kunst und darüber, dass viele Betrachter ihre Bilder zunächst für Fotografien halten. “Wenn man meine Gemälde von Nahem ansieht, dann sieht man, wie fern das von einem Foto ist. Ich male natürlich mit Pinsel, aber ich kratz auch und arbeite mit Glaspapier und Glanzpapier, ich bringe Materie und tue sie wieder weg”, erklärt Cynthia Evers über ihre Vorgehensweise für ihre Werke.

Links : http://brf.be/kultur/kunst/877463/

Malerin3

Malerin

Malerin2

Malerin4

JEAN JOUR A VU : C’est le printemps

Petite intro à l’article: je l’ai retrouvé dernièrement dans mes « archives », il a paru dans La Libre Belgique le jeudi 14 avril 1988 (eh oui, 1988!) mais comme c’était la première critique de fond parue sur mon travail, et qu’il n’a pas vraiment vieilli, je vous le livre …..

<<  << ..respirer un grand coup de fraîcheur, c’est bien ce que l’on fait devant les peintures de Cynthia Evers. Voilà un peintre qui, avec des moyens à première vue réduits, des couleurs soigneusement harmonisées et sans violence, des sujets tout simples, parvient à laisser sourdre de ses tableaux une poésie du quotidien parfaitement authentique. Un coin de table, une porte entrouverte, un bout de chaise, des pieds reposants sur un appui, une fenêtre ouverte ou un personnage pensif, rien que de très banal dans de telles scènes mais la composition originale et une façon de voir quasi cinématographique – contre-plongées, gros plans, plans moyens – retirent de ces scènes intimistes une véracité de vécu qui frappe droit au but. Même lorsqu’elle use du noir et blanc, discrètement teinté, Cynthia Evers parvient à gommer toute dureté qu’on serait en droit d’attendre par l’absence de couleur. Rien de froid ici, mais au contraire le petit miracle d’une chaleur pudiquement voilée. Peut-être par cette touche de mélancolie que l’on retrouve dans la majorité des oeuvres. Voilà en tout cas une artiste à découvrir précisément pour la modestie de sa démarche. >>